Burgdorf sucht Pflegeeltern

Seit Jahren steigt die Zahl der Kinder, die die Stadt in eine Pflegefamilie vermitteln muss: „Die Erziehung überfordert Familien zunehmend“, begründet Waltraud Schaller vom Pflegekinderdienst Burgdorf diese Entwicklung. Ihren Angaben zufolge leben derzeit 44 Jungen und Mädchen zwischen dem ersten und dem 17. Lebensjahr dauerhaft bei Pflegeeltern, drei in einer Bereitschaftspflege und acht unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in einer Gastfamilie.

Diese Entwicklung wirkte sich auf die Arbeit Schallers und ihrer Kollegin Birgit Hübert aus: „Wir haben die Pflegeeltern intensiv betreuen müssen und deshalb keine Zeit gefunden, neue zu finden.“ Darauf hat die Verwaltung reagiert und das bisherige Duo zum 1. November um Maike Ludwig verstärkt. Denn, davon ist Schaller überzeugt, die Tendenz werde sich fortsetzen: „Auch in Zukunft werden wir noch mehr Kinder in eine Pflegestelle geben müssen.“

Deshalb bietet das Team im März einen Informationstag für Interessierte an, daran schließt sich nach Aussage Schallers später ein Seminar an. „Wir setzen bei den Eltern eine Erziehungskompetenz voraus, in der Schulung geht es dann um Bindungstheorie und um den Kontakt zu Herkunftsfamilie“, sagt sie. Denn im Gegensatz zu Adoptionen bliebe der bei Pflegefamilien bestehen: „Dabei geht es auch um die gegenseitige Wertschätzung.“ Vor allem aber biete der Pflegekinderdienst den Familien nach der speziellen Vorbereitung eine kontinuierliche Begleitung, sei es mit einem gemeinsamen Frühstück wie in dieser Woche, Fortbildungen und Ausflügen oder mit Hausbesuchen.

Doch den Rückgang an Pflegefamilien führt Schaller nicht nur auf die fehlende Werbung zurück: „Immer mehr Frauen arbeiten und glauben, dass sie dann nicht mehr eine Pflegestelle übernehmen können.“ Das aber sei falsch, eine Teilzeitbeschäftigung lasse sich beispielsweise gut vereinbaren.

Zu den Burgdorfern, die sich seit Jahren um Pflegekinder kümmern, gehören Rita Morreale-Günteroth und Angela Holtfreter. Letztere hat zwei Kinder mehr als zwölf Jahre aufgenommen, nun folgt die Bereitschafts- auf die Dauerpflege. „Ich habe 36 Jahre meine eigenen und die Pflegekinder erzogen, nun ist es gut“, sagt Holtfreter. Deshalb betreue sie nun Jungen und Mädchen, aktuell ein elf Monate altes Kind, bis es eine geeignete Lösung für sie gebe. „Dafür braucht man eine bestimmte Haltung in dem Wissen, ein vorübergehendes Zuhause zu bieten“, sagt die Burgdorferin.

Auch Morreale-Günteroth, die zwölfjährige Zwillinge als Pflegekinder hat, wollte eigentlich nur die Bereitschaftspflege eines Neugeborenen übernehmen: „Dann habe ich aber gemerkt, dass es nicht funktioniert.“ Deshalb habe die Familie mit dem Pflegekinderdienst entschieden, die Kleine dauerhauft zu integrieren. „Die Älteren finden die Lösung ganz toll“, sagt die Burgdorferin und fügt hinzu: „Alle sind mit ganzem Herzen dabei.

Info: Die Informationsveranstaltung „Pflegeeltern werden“ am Donnerstag, 8. März, beginnt um 17 Uhr im Rathaus I, Ratssaal, Marktstraße 55. Interessierte erhalten erste Informationen über Kinder und Jugendliche, für die eine Familie gesucht wird, erste Themen des Vorbereitungsseminars, die Höhe des Pflegegelds und die Bewerbungsunterlagen. Außerdem ist Waltraud Schaller unter Telefon (05136) 898325 erreichbar.

Quelle: Antje Bismark

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