Treffen mit Herrn Grigorios Aggelidis (MdB) und Sprecher der FDP Fraktion für Familie und Senioren

Zu einem ausführlichen informellen Gespräch zum Thema „Aktuelle Bedingungen und Chancen für Pflegekinder im Rahmen der familiären Vollzeitpflege“ trafen sich der Bundestagsabgeordnete und Sprecher der FDP Fraktion für Familie und Senioren, Grigorios Aggelidis, der FDP Kreistagsabgeordnete und Mitglied im Jugendhilfeausschuss des Landkreises Celle, Charles M. Sievers, die 2. Vorsitzende des Pflegeelternvereins Celle und Umgebung e.V., Marina Groß sowie Silke Hagen-Bleuel als 1. Vorsitzende  des Pflege- und Adoptivfamilien- Unabhängiger Landesverband- PAUL Niedersachsen e.V. in Lachendorf.

Die besonders schützenswürdige Situation von Pflegekindern, die vor der Inpflegegabe häufig Opfer von Vernachlässigung, Misshandlung und/oder Missbrauch wurden und die schon aufgrund ihrer Trennung von den Herkunftseltern immer auch traumatisiert sind, machen es dringend notwendig, dass verlässliche Hilfs- und Schutzmaßnahmen individuell auf diese Kinder abgestimmt Sicherheit und Stabilität bieten.

Herr Sievers hob das große Engagement von Pflegeeltern hervor und beschrieb zugleich die fehlenden Möglichkeiten rein rechtlicher Art, denn Pflegeeltern haben im Regelfall kein Mitsprache- bzw. Antragsrecht für die ihnen anvertrauten Kinder, um die nötigen Hilfen beim Jugendhilfeträger beantragen zu können. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, Änderungen herbeizuführen, betonte Herr Sievers.

Die beiden Pflegemütter gaben umfassende Anregungen zur Berücksichtigung im Rahmen der gesetzlichen Reform des SGB VIII mit dem besonderen Blick auf die Bedürfnisse von Pflegekindern und machten eindrücklich deutlich, dass die Kinder- und Jugendhilfe ein wesentliches Instrument des Kinderschutzes sein sollte.

Herr Aggelidis sprach sich in diesem Zusammenhang dafür aus, Familienpolitik neu zu denken und den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Hier betonte er insbesondere auch die Stärkung der Stellung von Pflegefamilien, indem Pflegeeltern der Beteiligtenstatus im Hilfeplanverfahren zustehen müsste, denn sie sind die Experten, die die Pflegekinder und ihre Bedürfnisse und die damit verbundenen Bedarfe so gut wie kein anderer kennen.

Daraus resultierte dann für alle Gesprächsteilnehmer auch die dringend erforderliche vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, das als Fachbehörde personell und sachlich gut ausgestattet sein muss, um Pflegeeltern zu qualifizieren und stetig weiterzubilden.

Die Schaffung unabhängiger Beratungsstellen für Eltern und insbesondere auch Pflegeeltern sowie eine Verbesserung der rechtlichen Bedingungen zur Fortsetzung der Jugendhilfe auch über das 18. Lebensjahr hinaus betrachteten Herr Aggelidis, Herr Sievers und die beiden Pflegemütter ebenfalls für erforderlich, denn oftmals sind auch Pflegekinder in ihrer Entwicklung bis zum 18. Lebensjahr ebenso wie Kinder ohne Biografiebrüche noch nicht soweit, um dann bereits völlig selbständig ihr Leben meistern zu können.

Vorzeitige Abbrüche oder Beendigungen von Pflegeverhältnissen sollten daher gerade bei Pflegekindern unbedingt vermieden werden.

Ein weiterer Gesprächspunkt ergab sich zum Thema FASD-fetale Alkoholspektrumstörungen und die damit verbundenen Schwierigkeiten für die betroffenen Kinder sowie ihre (Pflege)- und (Adoptiv) Eltern.

Es war einvernehmlich, dass intensiv an der Akzeptanz und Anerkennung seitens der Ämter und Sozialleistungsträger gearbeitet werden muss und auch Präventionskampagnen politisch dringend vorangetrieben werden sollten.

Wir danken Herrn Aggelidis und Herrn Sievers für das offene und konstruktive Gespräch und hoffen, dass sie die Anliegen von Pflegekindern weiterverfolgen und sich für die Umsetzung von notwendigen Veränderungen der bisherigen Gesetzesgrundlagen einsetzen.

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